Stellungnahme der BGS zum Auwald- und Naturschutz vom 17. Juli 2016 mit vielen fachlichen Hintergrundinformationen von Bernhard Glaß

von | Jul 17, 2016 | Auwald, Flugplatz | 0 Kommentare

Im Hinblick auf den zur Abstimmung im Stadtrat vorgelegten Forstbetriebsplan für die Speyerer Wälder hat sich die Bürgergemeinschaft Speyer von Ihrem Naturschutzberater, dem Speyerer Biologen Bernhard Glaß, beraten lassen.

Der bei der Universität Heidelberg als Biologe angestellte Bernhard Glaß setzt sich seit vielen Jahren für den Schutz des Speyerer Auwaldes ein, und ist engagiert beim Bund Umwelt- und Naturschutz (BUND) Speyer, für den er auch sachkundige Auwaldführungen durchführt. Durch eine solche Führung hatten die Aktiven der BGS ihn im Rahmen ihres Kampfes gegen den Flughafenausbau in Speyer kennengelernt. Die BGS kämpfte ursprünglich vor allem wegen der immensen Sicherheitsprobleme und des Lärmes gegen den Flughafenausbau. Nach der Vorstellung des Speyerer Auwaldes durch Bernhard Glaß griff die Bürgergemeinschaft aber den Schutz des Auwaldes als eines ihrer Hauptanliegen auf.

Außerdem betreibt Bernhard Glaß die Webseite www.auenwald.tk in der er immer wieder die Zerstörungen im Speyerer Auwald dokumentiert und Zusammenhänge erklärt.

In dem Beratungsgespräch erinnerte Bernhard Glaß noch einmal an die natürliche Baumvegetation im echten, im natürlich Auwald. Das ist direkt am Fluss heute als schmales Band und an den niedersten Stellen die Weichholzaue mit Silberweiden, Purpurweiden, Korbweiden und vereinzelt Schwarzpappeln.

Im Speyerer Auwald wurden viele Weiden vom Bundesforst zerstört. Weiden können bis zu einer Stammdicke von 10 cm durch Abschneiden der Kronenäste/-ästchen als sogenannte Kopfweiden genutzt werden. Früher war diese wichtig für die Korbflechterei. Werden dagegen bei größeren Weiden die Kronen abgeschnitten, deren Stammdicke größer als 10 cm ist, wird der Stamm durch Pilze befallen und der Baum wird absterben.

Außerdem wurden in hohem Umfang in Speyer etwa ein Viertel der Fläche zur Nutzholzgewinnung etwa für Obstkisten und Streichhölzer vom Forst Hybridpappeln eingebracht, die naturschutzfachlich nicht in den Auwald gehören und als Jungbäume der Natur dort nichts nützen. Im für diese Bäume hohem Alter von über 70 Jahren werden aus dann zunehmend morschen Hybridpappeln aber wertvolle Spechtbäume. Und der Speyerer Auwald ist ein wichtiger Lebenraum für seltene und bedrohte Spechtarten. Dieser mögliche hohe Nutzen war bis jetzt aber theoretisch, weil die Bäume immer rechtzeitig bevor sie morsch für den Naturschutz nützlich werden, gefällt wurde. Bernhard Glaß plädierte deshalb dafür die Hybridpappeln nicht zu fällen, sondern ins nützliche Alter übergehen zu lassen und dann Schwarzpappeln an geeigneten Stellen anzusiedeln.

Im etwas höheren Bereich des Auwaldes über 90 % der Fläche befindet sich die Hartholzaue. Deren Naturbäume sind Stieleichen, Feldulmen und Flatterulmen. Davon sind die Ulmen durch das eingeschleppte Ulmensterben fast völlig ausgefallen.

Statt der alten und vom Forst abgeholzten Eichen wurden auf vielen Hektar vom Forst naturschutzwidrig aus rein kommerziellen Gründen standortfremde Baumarten wie Bergahorn, Eschen und Schwarznuß angepflanzt. Zur Geeignetheit von Bäumen für den Auwald also den echten Überschwemmungsbereich von Flüssen stellte Bernhard Glaß eine exemplarische Liste von Bäumen vor geordnet nach der Zahl der Überschwemmungstage die die Baumart maximal überleben kann.

Das sind 169 Tage bei der Silberweide, 139 Tage bei Pappeln, 136 Tage bei der Feldulme, 126 Tage bei der Eiche, 66 Tage bei der Esche, 44 Tage beim Bergahorn und 8 Tage bei der Buche.

Bernhard Glaß plädierte dementsprechend dafür die fehlgepflanzten Bäume absterben zu lassen und an geeigneten Stellen Eichen nachzupflanzen und zwar nicht als Einzelbäume sondern in Gruppen und zur Arrondierung von bestehenden Eichenbeständen.

Das wichtigste sei, dass keine Weiden, Eichen und Schwarzpappeln mehr abgeholzt würden und die Naturverjüngung eine Chance bekäme. Zur Zeit sei der Rehbestand viel zu hoch. Rehe seien Feinschmecker, die am liebsten Ulmen- und Eichenschößlinge wegen deren leckerer Blätter und Knospen fräßen. Nur in Bereich Hechenich mit wenig Deckung und vielen Spaziergängern, wo sich die Rehe wenig aufhielten könne man Naturverjüngung beobachten, die teures Nachpflanzen überflüssig mache. Die Abschusszahlen müssten erhöht und den Staatsforst übertragen werden.

Haarsträubend fand er dass die gefällte Baummenge noch 24 % über der genehmigten Menge lag. Wenn statt 3420 Festmeter im gesamten Speyerer Wald 4018 gefällt wurden sei das nicht Fleiß sondern fehlende Nachhaltigkeit.

Dass jetzt allein im Kiefernwald ein Hiebsatz von 4144 Festmeter genehmigt werden sollen, hält er für völlig überhöht. Schon jetzt sei der Speyerer Forlenwald extrem ausgedünnt.

Bernhard Glaß hat außerdem auf den ca. 83 Hektar zwischen Anlage und Rheinhäuser Fähre 11 Kilometer Wirtschaftswege zu 3,50 Meter Breite ermittelt. Statt der im Wirtschaftswald üblichen 30 Meter Wirtschaftswege je Hektar sind es in Speyer 132 Meter je Hektar. Damit gehen nicht nur eine Unzahl von Quadratmetern Wald verloren, diese Wirtschaftswege liefern noch den Vorwand eine Unzahl von Fällungen zur Verkehrssicherung vorzunehmen.

Da ja nicht mehr bewirtschaftet werden soll, sollte dieses Übermaß an Wirtschaftswegen sofort stillgelegt und der Naturverjüngung überlassen werden. Im Auwald würde die Natur diese Wege in ein bis zwei Jahren zurückerobern.

Ein Rundweg von 3 km für Naturfreunde unter Einschluss des alten Leinpfades wäre die richtige Lösung.

Die Bürgergemeinschaft hat sich diesen Analysen und Forderungen angeschlossen.

Claus Ableiter

Binsfeld 94

67346 Speyer